Wenn Ergebnisse für Verwirrung sorgen

Zwischen vorbildlich und mangelhaft – ein Blick auf deutsche Reifentests

Reifen stehen für Sicherheit und Mobilität. In der Regel müssen Autofahrer sie zweimal im Jahr wechseln. Ob Sommer-, Winter- oder Allwetterpneu – die Auswahl im Fachhandel ist inzwischen beachtlich und die Entscheidung beim Reifenkauf fällt dadurch oft nicht leicht. In diesem Informationschaos suchen viele Autofahrer Hilfe und Rat durch aktuelle Reifentests.

Unterschiedliche Kriterien, unterschiedliche Testergebnisse

Reifentests schaffen einen guten Überblick und decken Schwächen, aber auch Stärken der Produkte auf. Sie sollen dem Autofahrer sagen, welche Reifen empfehlenswert sind und welche nicht. Doch wer sich einmal genauer mit den aktuellen Ergebnissen auseinandersetzt, stellt fest, dass es innerhalb der unterschiedlichen Reifentests häufig zu Diskrepanzen kommt. Ein Beispiel: Autobild und Auto Club Europa (gemeinsam mit der Gesellschaft für technische Überwachung) testeten beide dieses Jahr Sommerreifen in der Dimension 195/65 R15, die meist gefahrene Größe in Deutschland. Der Michelin Energy Saver Plus sicherte sich dabei von Auto-Bild das Urteil „Vorbildlich“, bei ACE/GTÜ hingegen landete er nur im hinteren Feld und musste sich mit einem „Empfehlenswert“ zufriedengeben.

Warum unterschiedliche Tests oft zu unterschiedlichen Resultaten führen, erklärt der Reifenexperte Dietmar Töpfer: „Menschen haben unterschiedliche Empfindungen. Nicht alles ist messbar und stattdessen oft eine Gefühlssache. Außerdem sind die Bedingungen bei den einzelnen Tests oft sehr verschieden, unterschiedliche Automarken und Fahrer, sowie Unterschiede in den Außentemperaturen können bei gleichen Kriterien bereits zu erheblichen Abweichungen in den Testergebnissen führen.“

ADAC, Autobild oder Stiftung Warentest – Auf die eigene Fahrweise kommt es an

Für die Verkaufszahlen der entsprechenden Reifenmodelle sind die Testergebnisse oftmals von zentraler Bedeutung. Ein genauer Blick darauf zeigt jedoch, dass der Kaufpreis eines Reifens nicht unbedingt maßgebend für seine Platzierung ist. Der Testsieger ist nicht immer auch der teuerste unter den getesteten Reifen. Aber noch viel wichtiger: Nicht unbedingt der beste Reifen für die eigenen Ansprüche.

Töpfer rät deshalb allen Autofahrern dazu, zunächst die persönlichen Auswahlkriterien festzulegen, die einem besonders wichtig sind und der eigenen Fahrweise entsprechen und dann den Reifentest genauer unter die Lupe zu nehmen, der explizit auf diese Kriterien hin untersucht hat. So ist beispielsweise die Bestnote bei Nasshaftung in Regionen mit viel Niederschlag ein wichtiger Faktor. In Teilen Deutschlands, die häufig mit Schneefall zu kämpfen haben, sollten Fahrzeugbesitzer entsprechend viel Wert auf das Verhalten bei Schnee und Eis legen. „Aber bitte immer darauf achten“, so der Experte, „dass der Reifen auch in der Größe getestet wurde, in der man ihn selber fährt.“ Wenn das nicht möglich ist, weil entsprechende Tests noch nicht durchgeführt wurde, sollte man am besten nach der Dimension Ausschau halten, die der eigenen am nächsten kommen und das gleiche Profil aufweist.

Der Sommer hat dieses Jahr lange auf sich warten lassen und so richtig will niemand an sein baldiges Ende denken. Doch die kalte Saison rückt immer näher und Autofahrer sollten sich besser zu früh als zu spät mit den zuverlässigen Pneus für den Winter beschäftigen. Doch keine Sorge: Die ersten Winterreifentests werden nicht mehr lange auf sich warten lassen und wertvolle Hinweise liefern können.

Reifen @MarkKoeber

Copyright Bild: @Flickr / Mark Koeber




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